"Im Angesicht" - Reliefs aus Ton

Die Tonreliefs des Jahrgangs 2025 entstanden im Rahmen des Projekts Pfad des Gedenkens und greifen stellvertretend Gesichter ehemaliger Häftlinge des Außenlagers S III auf. Nach einer Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte und biografischer Recherchen modellierten die Schülerinnen und Schüler Portraitfragmente, die das Unsagbare sichtbar machen: Schmerz, Erschöpfung, Entmenschlichung – aber auch Menschlichkeit, Präsenz und Würde.

Beim Arbeiten am Ton formten die Jugendlichen nicht nur äußere Züge, sondern setzten sich intensiv mit individuellen Schicksalen auseinander. In jedem Relief begegnet man einem Menschen, dessen Geschichte fast ausgelöscht worden wäre. Die abstrahierte, teils grobe Darstellung, die Spuren der Hände im Material und die reduzierte Formensprache schaffen eine Atmosphäre der Nähe, ohne die Grenzen des Darstellbaren zu überschreiten.

Die gebrannten Tonarbeiten sind bewusst als Wandreliefs konzipiert. Sie können in Innenräumen – etwa im Schloss Ehrenstein, im Dokumentationszentrum oder im geschützten Eingangsbereich der Muna Crawinkel – präsentiert werden und erweitern so den Pfad des Gedenkens um Orte der stillen, konzentrierten Begegnung.

„Im Angesicht“ beschreibt diesen Moment des Gegenüberstehens: Man blickt einem Gesicht gegenüber, das aus der Vergangenheit zu sprechen scheint – und sieht zugleich die eigene Verantwortung im Heute.

Historischer Hintergrund

Während des Zweiten Weltkriegs ließ die SS bei Crawinkel eine unterirdische Munitionsfabrik errichten. Für den Bau wurden KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit gezwungen und arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen, die viele nicht überlebten. Die Anlage steht heute als stilles Zeugnis für die Verbrechen der NS-Zeit.

Biografien ehemaliger Häftlinge

Zoltan Mandel

Zoltan Mandel wurde 1945 im Lager S III registriert; über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Zoltan Mandel (1925-unbekannt)

Zoltan Mandel wurde am 25. März 1925 geboren und stammte aus Ungarn jüdischer Herkunft. Er erlernte den Beruf des Schuhmachers.

Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurde Mandel zunächst in das Konzentrationslager Flossenbürg eingeliefert, wo er die Häftlingsnummer 33 836 erhielt. Später wurde er nach Buchenwald überstellt, wo seine Häftlingsnummer 6 733 lautete. Am 15. Januar 1945 wurde er im Außenlager S III/ Ohrdruf registriert und erhielt dort die Häftlingsnummer 109 684. Er war im Block 23 untergebracht.

Weitere Informationen zum Verbleib von Zoltan Mandel sind nicht vorhanden.

Michal Siemieciak

Michal Siemieciak wurde 1945 im Lager S III registriert und starb dort am 27. Januar 1945.
Michal Siemieciak (1902-1945)

Michal Siemieciak wurde am 18. November 1902 in Czerlona, Russland, geboren. Er wurde unter der Häftlingsnummer 110924 im Außenager S III von Buchenwald registriert und am 12. Januar 1945 in das HKP eingeliefert, wo bei ihm eine Phlegmone des linken Unterarms diagnostiziert wurde. Er erhielt eine Behandlung und wurde am 15. Januar 1945 erneut ins Außenlager S III verlegt. Michal starb am 27. Januar 1945 um 2 Uhr im Außenkommando Ohrdruf. Die vermutliche Todesursache war eine Sepsis infolge der Phlegmone, verbunden mit akuter Herzmuskelschwäche. Sein Tod ist im Buchenwald-Totenbuch 1945 auf Seite 159 verzeichnet.

Josef Sichermann

Josef Sichermann wurde 1945 ins Lager S III eingewiesen; sein weiterer Weg bleibt unbekannt.
Josef Sichermann (1910-unbekannt)

Josef Sichermann, geboren am 15. März 1910 in Ungarn, war ein politischer Häftling, der während der letzten Kriegsmonate in das System des Konzentrationslagers Buchenwald verschleppt wurde. Er gehörte zur Gruppe der ungarischen Juden, die nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht systematisch entrechtet, verfolgt und in Lager deportiert wurden.

Am 15. Januar 1945 wurde er in das Außenlager S III / Ohrdruf eingeliefert und erhielt dort die Häftlingsnummer 110918. In seinen Dokumenten ist anschließend die Überstellung in das Kommando „Kl. Pon. 2“ vermerkt. Die Bezeichnung „Pon. 2“ kennzeichnet ein Sonderkommando, das im Rahmen der geheimen unterirdischen Bauarbeiten für das Projekt S III eingesetzt wurde.

Über sein weiteres Schicksal gibt es bisher keine gesicherten Informationen.

Jan Siedochowicz

Jan Siedochowicz wurde 1945 ins Lager S III eingewiesen; über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Jan Siedochowicz (1923-unbekannt)

Jan Siedochowicz wurde am 10. September 1923 in Polen geboren. Am 15. Januar 1945 wurde er in das Außenlager S III / Ohrdruf des KZ Buchenwald eingeliefert und erhielt dort die Häftlingsnummer 110923.

In den Unterlagen ist das Arbeitskommando „Kl. Pon. 2“ überstellt – ein Baulose-Kommando innerhalb des S-III-Komplexes, das vermutlich im Rahmen der unterirdischen Bauarbeiten eingesetzt wurde.

Weitere Informationen zu seinem Schicksal nach diesen Einträgen sind bisher nicht belegt.

Jan Majchrzak

Jan Majchrzak wurde 1944 ins Lager S III gebracht und starb dort noch im selben Jahr.
Jan Majchrzak (1922-1944)

Jan Majchrzak wurde am 22. Dezember 1922 in Ober Dädersdorf geboren. Er stammte aus einer katholischen Familie polnischer Herkunft und erlernte den Beruf des Schuhmachers. Majchrzak führte ein unbescholtenes Leben, ohne Vorstrafen. Bereits am 5. September 1944 ordnete die Staatspolizei Stuttgart seine Schutzhaft an.

Am 4. Oktober 1944 wurde er in Oberndorf verhaftet und am 23. November 1944 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er als politischer Häftling geführt wurde und die Häftlingsnummer 131 513 erhielt. Kurz darauf, am 5. Dezember 1944, wurde er nach Buchenwald überstellt und dort unter der Nummer 100 925 registriert. Am 13. Dezember 1944 kam er in das Außenlager S III, wo seine Häftlingsnummer 109 654 lautete.

Jan Majchrzak war 1,72 m groß, hatte dunkelblondes Haar, ein längliches Gesicht, blaue Augen, sieben fehlende Zähne und eine insgesamt schwache körperliche Verfassung. Er wurde im Block 23 untergebracht.

Am 29. Dezember 1944 wurde er ins HKB eingewiesen, nachdem er an einer Lungenentzündung erkrankt war. Noch am selben Tag verstarb Jan Majchrzak vermutlich an Herzmuskelschwäche. Sein kurzes Leben und sein Leiden als politischer Häftling zeugen von der Härte und Grausamkeit jener Zeit.

Aleksander Drabiuk

Aleksander Drabiuk, 1921 geboren, wurde 1944 ins Lager S III verlegt und gilt ab Februar 1945 als geflohen.
Aleksander Drabiuk (1921-unbekannt)

Aleksander Drabiuk war evangelischer Pole wurde am 28. August 1921 in Ruda bei Chełm geboren. Seine Eltern waren Teodor und Tatjana Drabiuk.

Er war als Kaufmann, Schlosser, Wachmann und Tischler tätig und sprach Ukrainisch, Polnisch und Deutsch. 1943–1944 diente er in der Waffen-SS. Am 28. April 1944 wurde er im SS-Bildungslager Träwniki verhaftet und am 10. Mai 1944 in Auschwitz eingeliefert. Drabiuk war 1,63 m groß, mittel gebaut, hatte dunkelbraune Haare, braune Augen, eine längliche Gesichtsform, große abstehende Ohren, einen kleinen Mund, eine geradlinige, lange Nase, keinen Bart und fehlende Zähne.
Am 7. Dezember 1944 kam er mit der Häftlingsnummer 28874 nach Buchenwald und am 13. Dezember 1944 wurde er mit der Nr. 107438 in das Außenlager S III/ Ohrdruf verlegt. Name, Geburtsdatum und Häftlingsnummer finden sich auch in einer Kartei aus Leitmeritz, was zeitlich jedoch nicht eingeordnet werden kann; dort ist sein Beruf als Koch vermerkt. Ab dem 21. Februar 1945 gilt er als flüchtig. Weitere Informationen zu Drabiuk fehlen. Er war damit wahrscheinlich einer der wenigen Häftlinge, der Flucht erfolgreich verlief.

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